Die bayerische Wirtschaft

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Deutschland hat Zukunft

Bildung zu demokratischer Kompetenz

Sehen Sie hier die aufgezeichneten Vorträge

Was ist demokratische Kompetenz?

Eine demokratische Gesellschaft setzt voraus, dass ihre Bürger*innen von klein auf lernen, andere Meinungen zu respektieren, Konflikte konstruktiv zu lösen und sich aktiv in gemeinschaftliche Willensbildungsprozesse einzubringen.

Das folgende Schaubild verdeutlicht die verschiedenen Komponenten demokratischer Kompetenz:

 

 

Demokratische Kompetenz umfasst:

  • politisches und zivilgesellschaftliches Wissen, Verständnis demokratischer Strukturen,
  • Anwendung dieses Wissens beim Schlussfolgern und Argumentieren,
  • Verinnerlichung demokratischer Werte und die Fähigkeit, Werturteile zu treffen,
  • Vertrauen gegenüber staatlichen Institutionen und ihren Repräsentanten,
  • politische Selbstwirksamkeit, das heißt die Überzeugung, selbst auf politische Prozesse Einfluss nehmen zu können,
  • die Motivation und Bereitschaft, durch eigenes Handeln zur Aufrechterhaltung oder Herstellung demokratischer Werte beizutragen.

Mehr dazu im Gutachten ab S. 48 und S. 124

Wie kann Bildung die Demokratie stärken?

Die gegenwärtige Situation der Demokratie in Deutschland und in anderen Ländern ist besorgniserregend. Weltweit nehmen antidemokratische Tendenzen zu. Das Bildungswesen leistet einen wichtigen Beitrag, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Der Aktionsrat Bildung formuliert in seinem Gutachten die folgenden vier übergreifenden Empfehlungen zur Stärkung der Demokratiebildung in Deutschland:

  • Demokratische Kompetenzen müssen in allen Bildungsphasen altersgerecht und unter Einsatz innovativer und empirisch geprüfter Lehr-Lern-Methoden gefördert werden.

     -> Mehr zu den Möglichkeiten des Demokratielernens in den unterschiedlichen Altersstufen im Gutachten ab S. 50.

  • Es müssen verbindliche Bildungsstandards für den Bereich Demokratiebildung auf KMK-Ebene formuliert werden.

     -> Mehr zu dieser Forderung im Gutachten auf S. 21.

  • Das Bildungspersonal muss für den Bereich Demokratiebildung umfassend aus- und weitergebildet werden.

     -> Mehr zu dieser Forderung im Gutachten ab S. 21.

  • Das empirische Wissen bezüglich der Wirksamkeit von Lehr-Lern-Methoden zur Vermittlung demokratischer Kompetenzen sowie zum Kenntnisstand der Bildungsteilnehmer*innen muss erweitert werden.

    -> Mehr zu den demokratischen Kompetenzen der Schüler*innen in Deutschland im Gutachten ab S. 139.

Kann man Demokratie von klein auf lernen?

Bereits im Kleinkindalter können Kinder Vorläuferkompetenzen erwerben, die bedeutsam für die spätere Ausbildung demokratischer Kompetenzen sind. Allerdings gibt es zu wenig empirische Befunde, um die Bedeutsamkeit dieser Lebensphase für die Entwicklung demokratischer Kompetenzen zu belegen oder die genaueren Auswirkungen von unterschiedlichem Interaktionsverhalten des pädagogischen Personals auf die Kompetenzentwicklung der Kinder aufzuzeigen.

Eine der wenigen empirischen Untersuchungen zu dem Thema belegt, dass nur ca. 24 Prozent der Fachkräfte in Einrichtungen der frühen Bildung in der Praxis den von Expert*innen für die Ausbildung demokratischer Kompetenzen als günstig angesehenen autoritativen Erziehungsstil (Kombination von hohen Anforderungen an das Kind, Ermutigung zur Entwicklung eigener Sichtweisen und starkem Eingehen auf die Aktivitäten und Befindlichkeiten des Kindes) zeigen. Mehr dazu im Gutachten auf den Seiten 66f. und 80.

Was müssen unsere Kinder über Demokratie lernen?

Was wissen unsere Kinder über Demokratie?

In der einzigen internationalen Vergleichsstudie zum Thema politische Bildung (ICCS) erreichten nur 31 % der Schüler*innen in NRW die Kompetenzstufe 3 (im Vergleich Dänemark: 62 %). Abgefragt wurde auf dieser Stufe die Fähigkeit zur Entwicklung und Bewertung mehrerer Argumente und somit nur eine Minimalvoraussetzung für die kompetente Beteiligung an demokratischen Prozessen.

   -> Mehr dazu im Gutachten ab S. 139

Wie muss sich unser Bildungssystem ändern?

Das politische Interesse ist insbesondere bei Jugendlichen in den letzten Jahren gestiegen (von 30% im Jahr 2002 auf 41% im Jahr 2019, vgl. Shell Jugendstudie 2019). Zugleich ist jedoch auch die Politikverdrossenheit auf hohem Niveau (Zustimmung zur Aussage: „Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken“ > Zustimmung von 71 % der Jugendlichen in der Shell- Jugendstudie 2019). Das Bildungswesen muss Wege finden, die Jugendlichen wieder für ein Engagement innerhalb der institutionalisierten Politik zu begeistern. Aus psychologischer Sicht tragen Maßnahmen in folgenden Bereichen zur Ausbildung demokratischer Kompetenzen bei:

  • Training von Empathie und Perspektivenübernahme im Rahmen geprüfter Interventionsprogramme,

  • Anregung von Diskussionen über moralische Dilemmata in vertrauensvoller Gesprächsatmosphäre,

  • Verankerung von Demokratie als innerhalb der Bildungseinrichtung gelebtes Prinzip,

  • Gemeinnützige Arbeit.

   -> Mehr dazu im Gutachten ab S. 71

Demokratiebildung in der Sekundarstufe

Bildung zu demokratischer Kompetenz muss an jeder Schule fester Bestandteil des Schulprofils und der Schul- und Unterrichtsentwicklung werden. Dies beinhaltet vielfältige Anknüpfungspunkte für alle Unterrichtsfächer und die Beteiligten der gesamten Schulfamilie sowie die Etablierung positiver, wertschätzender sozialer Beziehungen – insbesondere zwischen Lehrpersonen und ihren Schüler*innen.

Entsprechend der Empfehlung der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder ergänzen sich auch in der Sekundarstufe drei Ansätze schulischer Demokratiebildung:

  • Demokratieerziehung als Schulprinzip (z. B. Schülerpartizipation durch Schülervertretung, Schülerverwaltung, mehr dazu im Gutachten ab S. 119),

  • Demokratiebildung als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip (z. B. Planspiele mit fächerübergreifenden Themenstellungen, mehr dazu im Gutachten auf S. 150),

  • politischer Fachunterricht (z. B. innovative Lehr-Lern-Methoden, mehr dazu im Gutachten ab S. 122).

    -> Mehr dazu im Gutachten ab S. 117

Gutachten

In diesem Jahr widmet sich der Aktionsrat Bildung der Frage „Wie kann die Demokratiebildung in Deutschland verbessert werden?“ 

Aus einer interdisziplinären Perspektive werden Ursachen und Auswirkungen der weltweiten Zunahme antidemokratischer Tendenzen untersucht und anschließend für alle Bildungsphasen der Status quo abgebildet: Welchen Stellenwert hat Demokratiebildung in den Bildungsplänen und in der Ausbildung des pädagogischen Personals? Wie steht es um die demokratischen Kompetenzen der Bildungsteilnehmer*innen? 

Der Aktionsrat Bildung leitet aus der Bestandsaufnahme konkrete Handlungsempfehlungen ab und richtet diese an die politischen Entscheidungsträger.

Sie haben gefragt — der Aktionsrat Bildung antwortet

Hier sehen Sie die Antworten zu ausgewählten Fragen, die Sie nach dem OnlineKongress gestelt haben.

01

Welches Potenzial liegt in der Etablierung demokratischer Strukturen über die Schülermitverwaltung (SMV) hinaus?

02

Welche Reformen brauchen Schulen, um für mehr Schülerpartizipation am Lehrbetrieb demokratisch aufgestellt zu sein?

03

Wie können die für eine Erhöhung der Partizipation von Schüler*innen notwendigen Reformen im Föderalismus umgesetzt werden?

04

Wo wird bereits an der Etablierung demokratischer und partizipativer Strukturen an Schulen gearbeitet und welche Hindernisse müssen noch bewältigt werden?

Grußworte und Keynote

Vorsprung durch Bildung

Wolfram Hatz

Präsident vbw
Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Bildungsauftrag demokratische Kompetenz

Prof. Dr. Dr. h. c. Dieter Lenzen

Vorsitzender des Aktionsrats Bildung
Präsident der Universität Hamburg

Politische Bildung als Verfassungsauftrag

Prof. Dr. Michael Piazolo

Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus

Impulsvorträge

Psychologische Voraussetzungen demokratischer Kompetenz

Prof. Dr. Bettina Hannover

Mitglied des Aktionsrats Bildung
Leiterin des Arbeitsbereichs für Schul- und Unterrichtsforschung im Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie an der Freien Universität Berlin

Demokratiebildung in der Frühen Bildung und in der Primarstufe

Prof. Dr. Nele McElvany

Mitglied des Aktionsrats Bildung
Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Schulentwicklungsforschung, Technische Universität Dortmund
 

Demokratiebildung in der Sekundarstufe und in der Weiterbildung

Prof. Dr. Tina Seidel

Mitglied des Aktionsrats Bildung
Prodekanin der TUM School of Education, Inhaberin des Lehrstuhls für pädagogische Psychologie, Technische Universität München
 

ab 29.04.2020

Über den Aktionsrat Bildung

Seit 2005 bewerten die Mitglieder des Aktionsrats Bildung die gegenwärtige Situation im deutschen Bildungssystem auf Basis umfassender Expertisen. Lernen Sie die Mitglieder und die Aktivitäten seit Gründung des Aktionsrats jetzt kennen.