Die bayerische Wirtschaft

Region und Bildung.
Mythos Stadt – Land.

Wo werden die meisten Grundschulen geschlossen?

Vom Rückgang der Grundschulen um rund 10 % in den letzten Jahrzehnten sind Stadt und Land annähernd gleichermaßen betroffen. Eine Analyse dieser Entwicklung in den unterschiedlichen Regionen in den Jahren 1995 bis 2015 zeigt, dass es in ländlichen und städtischen Regionen Beispiele für abnehmende und stabile Zahlen an Grundschulen gibt. In einigen städtischen Regionen gibt es darüber hinaus auch einen Zuwachs an Grundschulen. Mehr Infos ab Seite 95.

Auch interessant: Hinsichtlich der regionalen Abdeckung mit Grundschulen (Schulen pro Hektar Fläche) und damit der Entfernung zur nächstgelegenen Grundschule gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Mehr Infos im Gutachten auf Seite 94.

Wo ist der Unterricht besser?

In einer Befragung von Schülern der 9. Jahrgangsstufe ließen sich keine systematischen Unterschiede hinsichtlich der Unterrichtsqualität in der Stadt und auf dem Land feststellen. Abgefragt wurde z. B., inwieweit die Lehrkraft ohne größere Störungen unterrichten kann, ob der Unterricht ein angemessenes Anspruchsniveau hat und ob auch auf schwächere Schüler*innen eingegangen wird. Auch bei der Zusammensetzung der Lehrerschaft hinsichtlich Alter und fachlicher Qualifikation gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land. Mehr Infos im Gutachten ab S. 141.

Wo gibt’s mehr Ausbildungs­möglichkeiten?

Auf dem Land ist das Verhältnis von Bewerbern zu Angeboten der dualen Ausbildung besser: In den dünn besiedelten ländlichen Räume kommen auf 100 Bewerber 107 Ausbildungsplätze, während in den kreisfreien Großstädten für die gleiche Bewerberzahl nur 101 Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Mehr Infos im Gutachten auf Seite 191.

Auch interessant: Grundsätzlich sind kaufmännische, verwaltende und industrielle Berufsausbildungen vorrangig in städtischen Umfeldern vertreten, während landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildungswege vor allem auf dem Land eine wichtige Rolle spielen. Einen Überblick finden Sie im Gutachten auf Seite 197.

Wo nutzen Eltern Kindertages­­­­­­­einrichtungen mehr?

Es gibt keinen Stadt-Land-Unterschied bei den Anteilen der Kinder unter drei Jahren, die eine Kindertageseinrichtung besuchen: Stattdessen gibt es bei dieser Quote große Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. Die Zahlen im Detail finden Sie im Gutachten ab Seite 74.

Auch interessant: Die Quote der unter 3-Jährigen, die eine Krippe besuchen (33,1 %) ist deutlich niedriger als die Quote der suchenden Eltern (45 %). Es wird geschätzt, dass bis 2025 noch über 300.000 Krippenplätze (unter 3-Jährige) geschaffen werden müssen und zusätzlich 300.000 Erzieher*innen (Krippe, Kindergarten, Hort) benötigt werden. Mehr Infos im Gutachten auf S. 71.

Wo gibt es mehr Hochschulstandorte?

Heute liegt in Deutschland kein Postleitzahlbezirk mehr als 59 Kilometer Luftliniendistanz vom nächstgelegenen Hochschulstandort entfernt. Eine Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) aus dem Jahr 2017 zeigt, dass die Anzahl der Hochschulen durch Neugründungen und die Einrichtung von Außenstellen stark zugenommen hat, d. h. von 232 Hochschulen im Jahr 1990 auf 619 im Jahr 2016. Diese Zunahme fand insbesondere im Segment der Hochschulen für angewandte Wissenschaften/Fachhochschulen statt. Mit der räumlichen Verteilung von Hochschulstandorten scheint das Ziel, für alle gleiche Zugangschancen zur Hochschulbildung – und zwar unabhängig vom Wohnort – zu gewährleisten, in allen Regionen Deutschlands erreicht zu sein. Mehr Infos im Gutachten ab Seite 153.

Gutachten

Gibt es in Deutschland regionale Unterschiede in den Bildungschancen im Verhältnis Stadt – Land und hat der Wohnort Einfluss auf die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe der Menschen? Diese Frage wird in den Medien immer wieder diskutiert. Der Aktionsrat Bildung analysiert im aktuellen Gutachten die empirische Datenlage und geht der Frage nach, inwiefern der Wohnort in Deutschland das Angebot an Bildungsmöglichkeiten, die Bildungsbeteiligung sowie die Leistungen der Lernenden beeinflusst.